3. Juli 2024

Nachhaltigkeit und Gamification: 

Empathie als Schlüssel zum Erfolg im Stakeholder-Management

Text: Juli 2024 | Autorin: Melanie Peschel, Inhaberin Tracemaker Strategie- und Kommunikationsberatung


Gamification bedeutet, spieltypische Elemente in einen nicht-spielerischen Kontext zu integrieren. Das kann dazu beitragen, das Engagement zu steigern, das Lernen zu fördern und Verhaltensänderungen zu bewirken. Im Kontext des Stakeholder-Managements kann Gamification helfen, Empathie zu entwickeln und die Zusammenarbeit zu verbessern. Im Verlauf der letzten Jahre haben meine Kunden zahlreiche konkrete Ansätze realisiert. Ausgewählte Best Practice Beispiele, wie Gamification in Unternehmen eingesetzt werden kann, um Nachhaltigkeit voranzutreiben, möchte ich hier zusammen mit ein paar Erläuterungen teilen. 

Praktische Ansätze zur Integration von Gamification

Der erste Schritt zur erfolgreichen Integration von Gamification ist eine gründliche Stakeholder-Analyse. Dazu gibt es im anderen Tracemaker-Blogbeitrag ausführliche Details. Ohne Stakeholder-Analyse keine Gamification-Strategie – das als Faustregel. Erst durch die Identifizierung der wichtigsten Stakeholder können wir gezielte Gamification-Strategien entwickeln, die deren spezifische Bedürfnisse ansprechen.

Als erster Schritt gilt es, Ziele und “Belohnungen” zu definieren. In einem Projekt für die EnBW AG haben wir Anfang 2023 eine interne Kommunikations-Offensive unter dem Titel “Challenge accepted” gestartet. Ziel war es, möglichst viele der 28.000 Mitarbeitenden über die Nachhaltigkeits-Agenda zu informieren und daran teilhaben zu lassen. Je nachdem, welche Art von Job jemand hat, sind allerdings die Teilhabemöglichkeiten sehr unterschiedlich. Entsprechend ausdifferenziert war dann auch die Definition der Zielsetzung, die sich an den zu adressierenden Menschen orientiert hat. als Zwischenfazit kann man hier also schon mal festhalten: keine Einheitszielsetzung für alle, sondern passend für die jeweiligen Zielgruppen. deswegen ist eben die Stakeholderanalyse so wichtig, wie oben eingangs erwähnt. 

Zum Stichwort “Belohnung”: Das ist eine umfassende Diskussion wert - individuell bei jedem von euch. Und wofür ihr euch entscheidet, ist mitunter eine Frage eurer Unternehmenskultur und -historie. In manchen Unternehmen ist die Beteiligungs-Motivation nur dann gegeben, wenn große Gewinne anstehen. Reisen, Wellness-Wochenenden und Ähnliches. Das habe ich vor etwa 20 Jahren erlebt, bei meinem damaligen ersten Arbeitgeber nach Abschluss des Studiums an der Uni. Aber es muss nicht die kostenintensive Belohnung sein, sondern können auch wertschätzende Kleinigkeiten darstellen. Oder es gibt gar keine Belohnung im eigentlichen Sinne, sondern der Erkenntnisgewinn wird als die Belohnung bezeichnet. Wie gesagt: Eine Frage der Unternehmenskultur und sehr individuell zu beantworten. Wenn Du, liebe Leserin oder lieber Leser, dazu ein Sparring mit mir möchtest, lass uns gern mal in einen ersten Austausch gehen und schreib mir eine Mail.


Storytelling nutzen

Geschichten sind ein superwichtiges Tool, um Menschen zu inspirieren und zu motivieren. Der moderne Begriff Storytelling ist alter Wein in neuen Schläuchen, denn: Storytelling gibt es seit der Steinzeit. Schon die Neandertaler haben über Geschichten am Lagerfeuer Wichtiges geteilt, was von Generation zu Generation weitergegeben werden muss, um das Überleben zu sichern. 

Bei unserem Storytelling geht es sicherlich weniger ums nackte Überleben - wobei…: Die guten, funktionierenden Stories über nachhaltiges Wirtschaften können durchaus überlebenswichtige Effekte nach sich ziehen. Sowohl für die Organisation als Unternehmen als auch für einzelne Menschen, die in der Lieferkette “irgendwo” unsichtbar integriert sind, und mehr Schutz bedürfen. 

Aber zurück zum roten Faden: Durch Storytelling können wir die Erfolge unserer Nachhaltigkeitsprojekte und die positiven Auswirkungen auf die Umwelt und die Gesellschaft hervorheben. Dies kann das Engagement der Stakeholder erhöhen und sie dazu ermutigen, aktiv an den Initiativen teilzunehmen. Oder sich aktiv zu beteiligen, wichtige Zahlen, Daten und Fakten zu liefern. Damit steht und fällt der Nachhaltigkeitsbericht, um das an dieser Stelle auch mal zu erwähnen. 

Da das Thema Storytelling so umfangreich ist, lohnt sich dafür ein eigener Blogbeitrag. Wichtig ist für dich an dieser Stelle mitzunehmen: Gamification ist immer verknüpft mit einer Story, die das Thema trägt.


Drei Beispiele für Gamification im Kontext Energie, Klima und Nachhaltigkeit

Hier folgen einige Best Practice Cases, die im Laufe der letzten Zeit entstanden und erfolgreich durchgeführt wurden. 


Rollenspiel

Bei einem Rhetorik- und Kommunikationstraining für RBS Wave habe ich ein Rollenspiel als Session integriert. Der Titel lautete “Die Grattler-und-Grasdackel-Challenge: Was tun, wenn weniger Wohlwollende unvorhergesehen den positiven Flow unterbrechen?”. Wer in Baden oder Schwaben lebt, kann mit den Begriffen was anfangen…. ;-). Es gab dabei 4 Rollen (Bürgermeister(in), Gemeinderatsmitglied, beratende(r) Ingenieur(in), freie Rollenwahl. Darüber hinaus gab es Beobachter: Das Rollenspiel folgte einem geheimen Auftrag, dem jeder in der eigenen Rolle gerecht werden sollte. Die Beobachter haben dokumentiert, die Rollen-Inhaber versucht, mit Argumenten und Kommunikations-Skills ihre Ziele zu erreichen. Das Spiel ließ Emotionen entstehen, soviel ist sicher. Hintergrund des Rollenspiels war die Tatsache, dass RBS Wave vielfach bei der Kommunalen Wärmeplanung mit unterschiedlichen Personen zu tun hat und sich auf diese Weise mit seinen Stakeholdern besser im Vorfeld spielerisch auseinandergesetzt hat. 

Für die Nachhaltigkeits-Strategie und das zugehörige Nachhaltigkeits-Reporting ist ein solches Rollenspiel übrigens auch super umsetzbar, und zwar sowohl in großen wie auch in kleinen Gruppen. Wichtig ist es dabei, eine neutrale Person als Moderator dabei zu haben, um keine Doppel-Rollen zu vergeben. 


Bällebad der anderen Art

Bei diesem Bällebad im Foyer der EnBW, Standort Karlsruhe, ging es darum, innerhalb einer gesetzten Zeit den Ball mit der Nummer 13 aus dem Bällebad zu fischen. Die 13 steht bei den Sustainable Development Goals für den Klimaschutz. Wer die kleine Challenge geschafft hat, hat nicht nur einen Müsliriegel bekommen, sondern war automatisch im Gespräch mit den Kolleginnen und Kollegen vor Ort, die das Thema Nachhaltigkeitsagenda vorgestellt haben. Ergänzend zum Bällebad gab es eine begleitende Posterausstellung von Nachhaltigkeits-relevanten Projekten aus dem Konzern sowie ein ausgeliehenes Glücksrad und SDG Würfel als Eyecatcher. Falls sich jemand mal so ein Bällebad als Idee umsetzen wollen würde: Für ein Bällebad, wo man nur mit den Händen “wühlt”, braucht man schon mind. 250 Bälle….eigentlich wollten wir ein bisschen IKEA-like auffahren, aber das wäre dann zu viel des Guten gewesen bei der Menge an benötigten Bällen.

Das Thema Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) ist in vielerlei Hinsicht “Bällebad”-geeignet. Z.B. zum Erlernen der ESRS-Dimensionen eine Bälle-Schnitzeljagd… oder zum verdeutlichen der 1000 Datenpunkte - je Datenpunkt 1 Ball…der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt.


Nutzen von vorhandenen Serious Games

Es gibt super Serious Games, die das Thema Nachhaltigkeit in unterschiedlicher Art und Weise in den Fokus rücken. EnROADS habe ich selbst schon zwei mal miterlebt, was wir mit der Stiftung Energie & Klimaschutz sowie auch der EnBW als Stakeholder-Beteiligungs-Angebot organisiert haben. Die Resonanz aller Teilnehmenden war extrem geht. Aber Achtung: Für EnRoads braucht ihr wirklich sehr gut geschulte Moderatoren, weil sonst der “Serious”-Part zu wenig zur Geltung kommt. Ihr findet auf der Website von EnRoads eine Liste von Personen, die sich hier als Moderatoren mit entsprechender Fachqualifikation anbieten. Wir haben beide Male Prof. Florian Kapmeier als Moderator gehabt – und waren damit besonders gut aufgestellt: Er ist einer der Mit-Autoren, die EnRoads - ursprünglich am MIT entwickelt - ins Deutsche übersetzt und für den deutschen Sprachraum adapiert haben.

EnRoads lässt sich sowohl Remote als auch in Präsenz “spielen”. Für Präsenz-Erlebnisse eignet sich auch super “Keep Cool”, ein Brettspiel. Kennengelernt habe ich es über Malin, die bei Tracemaker als Werkstudentin arbeitet und Keep Cool in einem Uni-Seminar an der Uni Oldenburg gespielt und analysiert hat. Daraufhin haben wir es auch zum Testen bei der Stiftung gespielt um abzuwägen, ob es sich für eine künftige Stakeholder-Beteiligung eignet. Neben Keep Cool möchte ich noch das Escape Climate Game erwähnen, entwickelt von Ecomove und Geobound. Es ist zwar derzeit vergriffen, aber kann über die Map auf der Website ggfs. von netten Besitzern als Leihgabe zur Verfügung gestellt werden. 

Und auch ein tolles Serious Game ist das Klimapuzzle. Mein LinkedIn-Kontakt Enno sagt dazu: “Mit Hilfe des Klima Puzzle-Workshops werden die wissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels vermittelt und den Teilnehmenden wird Unterstützung gegeben, um aktiv zu werden.” Ich selbst habe das Klimapuzzle mir näher angeschaut, aber noch nicht gespielt – über persönliche Erfahrungen von dir würde ich mich sehr freuen.  


Von der Theorie in die Praxis

Das alles waren ja jetzt schon sehr praxisnahe Beschreibungen, dennoch: Damit Du in die Praxis gehen kannst, braucht es noch einen Sprung vom Lesen zum Machen. Als Empfehlung gebe ich dir hier nochmal die wichtigsten Schritte als Übersicht: 

  1. Zielgruppenanalyse

  2. Ziele definieren

  3. Belohnungen festlegen

  4. Art des Gamification-Erlebnisses festlegen (Präsenz, Digital, Hybrid, zeitlich asynchron…)

  5. Auswahl von entweder vorhandenen Erlebnis als Brettspiel oder Agentur-Dienstleistung wie von z.B. Geobound oder selbst entwickelter und umgesetzter Idee mit z.B. einer Event-Agentur oder dem Inhouse-Team für die interne Kommunikation 

  6. Pilottest mit “Freunden”, um Funktionalität und Wirkung zu prüfen

  7. Durchführung mit viel zeitlichem Vorlauf planen und begleitendem Storytelling kommunikativ einrahmen.


Einladung zum Workshop

Dem Thema Gamification im Kontext der Akteurs-Beteiligung und Nachhaltigkeits-Management widmen wir einen eigenen Workshop. Es ist ein 1,5-Stunden-Termin online, bei dem es vor allem darum geht, dein Vorhaben / Projekt mit ersten Ideen für einen passenden Gamification Ansatz zu konkretisieren. 

Bei Interesse melde dich bitte zu meinem Newsletter an, damit du die Einladung zum Workshop rechtzeitig erhältst (Termine sind für August und September geplant).

Für Aktivisten, Denker und Strategen:

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Frau die an einem Schreibtisch sitzt und in ein Notizbuch schreibt.

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