CSRD-Alarm:
Droht die Nachhaltigkeits-Initiative der EU zu scheitern?
Trilog-Verhandlungen bis Ende 2025 - CSRD-Plot Twist
Von: Melanie Peschel, Stand 24.11.25
Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) erlebt im November 2025 eine historische Kurskorrektur. Was als ambitioniertes Transparenz-Instrument begann, droht im Zuge des Bürokratieabbaus drastisch abgeschwächt zu werden.
Das ist der dramatische Stand, den jeder Manager und Berater JETZT kennen muss.
Aber vorher - was heißt "Triog-Verhandlungen" genau? Die Antwort: Das sind informelle, aber weit verbreitete politische Verhandlungen im EU-Gesetzgebungsverfahren zwischen Vertretern des Europäischen Parlaments, des Rates der Europäischen Union und der Europäischen Kommission (hier steht´s im Original). Ziel ist es, eine politische Einigung über einen Gesetzesvorschlag zu erzielen und das Verfahren zu beschleunigen, auch wenn der ausgehandelte Kompromiss später noch formell von Parlament und Rat verabschiedet werden muss. Die Positionen der Institutionen unterscheiden sich dramatisch, insbesondere hinsichtlich der Schwellenwerte, die den Anwendungsbereich definieren.
Frage: Der Unterschied zwischen Europäischem Rat und Europäischer Kommission ist bekannt, oder? Ganz kurz: Der Europäische Rat besteht aus den Bundeskanzlern und Präsidenten / Präsidentinnen der EU. Die Kommission besteht aus den jeweils von den Ländern benannten Kommissaren. Für Deutschland ist das aktuell Ursula von der Leyen.
Die Berichtspflichten für die zweite und dritte Welle von Unternehmen wurden offiziell um zwei Jahre verschoben
Tadaa - das ist der aktuelle Plan, ob der so kommt, wird sich wohl bis Ende 2025 entscheiden:
- CSRD Zweite Welle (Großunternehmen): Berichtsjahr 2027 (statt 2025)
- CSRD Dritte Welle (Börsennotierte KMU): Berichtsjahr 2028 (statt 2026)
Es kann aber auch sein, dass börsennotierte KMU gar keine CSRD-Pflicht bekommen. Das steht auf jeden Fall zur Debatte. Oder sich nochmal die Schwellenwerte ändern in Bezug auf Mitarbeiterzahlen, Umsatzzahlen oder Bilanzzahlen. Deswegen packe ich das jetzt gar nicht in den kurzen Text hinein, weil gerade alles im Fluss ist. Wie oben gesagt, die Trilog-Verhandlungen... (Achtung: Nicht Trialog, aus Dialog, nein: Trilog).
Woher kam es eigentlich, dass die CSRD jetzt doch nochmal durchdacht und verschoben wird? Auslöser war der Draghi-Report in 2024: die kriselnde Konjunktur in Europa ist dort in Zahlen schwarz auf weiß konkretisiert worden. Das führte dazu, dass die EU gesagt hat:
Wir müssen Bürokratie abbauen, sonst kommen wir nicht auf einen grünen Zweig..... auch wenn der Zweig vielleicht in dem Fall nicht so grün ist, wie er sein sollte - Wortspielereien meinerseits...
Ergo: Die Kurskorrektur zur CSRD wurde durch politische Debatten über Bürokratieabbau und Wettbewerbsfähigkeit ausgelöst, wichtiges Stammtischwissen.
Die wahre Challenge: Das Kommunikationsdesaster
Parallel zur Verschiebung des Zeitplans finden grundlegende Anpassungen der Berichtsstandards (ESRS) statt, die z.B. eine Reduzierung der verpflichtenden Datenpunkte um etwa 25 Prozent beinhalten.
Das Problem ist jedoch nicht primär die Komplexität der Standards. Das Problem ist der Kommunikations-Stau zwischen Politik, Wirtschaft und den Menschen, die diesen Change managen müssen.
Nicht warten, sondern in den Dialog gehen
Die Engpässe liegen nicht nur im Reporting (v.a. Scope 3 als Elefant im Raum sowie das Taggen der Datenpunkte im maschinenlesbaren XBRL-Format als echte Challenge). Sie liegen vor allem auch im Stakeholder-Management. Konkret: In Erwartungen, die nicht zusammenpassen.
Denn gleichzeitig mit all dem regulatorischen Hin und Her sieht es folgendermaßen aus, wie eine PWC-Studie herausgefunden hat:
- 59 % der Unternehmen halten trotz Aufschub am ursprünglichen Ambitionsniveau ihres künftigen Reportings fest. Der Erwartungsdruck gegenüber Stakeholder dieser Unternehmen steigt damit.
Meine Interpretation: Das ist ein Stresstest dafür, wie wir in Organisationen und von Organisation zu Organisation miteinander sprechen.
Nachhaltigkeitsreporting ist kein Compliance-Projekt.
Es ist ein Dialogprojekt.
Wer jetzt wartet, verspielt Vertrauen. Wer jetzt aktiv weitergeht, gewinnt an Klarheit in der Positionierung als nachhaltig agierendes Unternehmen. Mein Rat als jemand, der Stakeholder-Dialoge beruflich mitgestaltet: Fangt an, nachhaltige Stakeholder-Beziehungen zielgerichtet und auf Langfristigkeit orientiert zu gestalten.
Denn egal, wie die Trilog-Verhandlungen (immer noch Trilog, nicht Trialog...) Ende des Jahres ausgehen:
Die Richtung bleibt, Transparenz bleibt, Verantwortung bleibt. Stakeholder lesen heute genauer denn je, wie Unternehmen mit dieser Unsicherheit umgehen. Was zählt, ist nicht die perfekte XBRL-Tabelle (obwohl die auch wichtig ist), sondern der Mut, miteinander zu sprechen: frühzeitig, strategisch, zielorientiert.
